Das HuTT vom 12.8 bis 16.8.2026 im Hunsück

Von Links: Reibsteinhütte  mit Grill und Duschhäuschen, davor Timms Astromobil mit 20" Dob, Peters Camper und 6" Parks Newton,  mein  Rapido Wohnwagen, davor auf dem Bolzplatz, der 16" Dob  "Zitronenfalter" , 120erSelbstbau Bino "Zwilling" und der weisse Volksapo ED 80

Zurück vom HuTT, einem der schönsten kleineren Teleskoptreffen.

Am Mittwoch den 12. August fuhr ich am späten Vormittag mit meinem kleinen Wohnwagengespann nach Gehlweiler, einem kleinen Dorf im Hunsrück, etwas abseits davon befindet sich die Reibsteinhütte mit einem Bolzplatz, dem Veranstaltungsort des bereits 17.Hunsrücker Teleskoptreffens. Veranstalter Nils hatte bereits als 17jähriger das erste HuTT ausgerichtet!

Die Strecke führte über die A61 vorbei an Ludwigshafen in Richtung Koblenz. An der Ausfahrt Rheinböllen an Simmern vorbei geht es über Gemünden bis kurz vor Gehlweiler an einer Brückenbaustelle endet die Reise. Auf dem Weg zurück kann man die Umleitung nach Gehlweiler durch den Soonwald erkennen, die auf der Hinfahrt nicht zu sehen war. Nach 3 entspannten Stunden Fahrzeit bin ich dort wohlbehalten angekommen.

Neben der Reibsteinhuette rund um den Bolzplatz waren bereits mehrere Wohnmobile, Zelte und Camper aufgestellt. Die Reibsteinhütte bot für etwa 40 Personen einen Versammlungsraum mit Koch und Spülgelegenheit, einen grossen Kühlschrank und auf der Rückseite getrennte Toiletten. Daneben ein gemauerter überdachter Grill und ein Häuschen mit einer barrierefreien Dusche. Alle Einrichtungen waren sauber und laden zur Benutzung ein.

Ich parkte neben Peter S. Camper, und wenige Minuten später traf auch Timm K. mit seinem Astromobil ein, ein, was mich sehr freute.

Der Nachmittag wurde mit Begrüßung untereinander, Einrichten des Wohnwagens, Aufbau Sonnensegel, und Aufbau der Teleskope verbracht. 

Nach einer Stärkung mit  Grillwurst am späten Nachmittag wurde der kleine Volksapo ED 80 auf die kleine Böschung über dem Bolzplatz aufgestellt, um möglichst lange gute Sicht auf die untergehende Sonne über die Obstbäume hinweg zu bekommen. Als Sonnenschutz habe ich einen Herschelkeil mit ND3-Filter dahinter eingesteckt, der sehr scharfe Bilder zeigte. Die Helligkeit konnte ich mit Verdrehung des Okulars über einen eingeschraubten Polfilter regulieren. Leider gelang es mir nicht mit meinem Gigaset Handy brauchbare Bilder ohne Reflexe vom Okular abzufotografieren. 

Etwa 50 Beobachter fanden sich ein um gemeinsam die partielle Sofi (örtlich etwa 88% Bedeckung) zu beobachten, der Hang östlich des Bolzplatzes war gut belegt. Gute Stimmung bei angenehmer werdenden Temperaturen unter der verfinsterten Sonne und ein kühles Sundowner Bier begleiteten dieses Naturereignis.

Nach Sonnenuntergang wurde die Ausrüstung für die Nacht vorbereitet, Justage von Optik und Einrichtung der Telrad Finder am 16“ Dobson und am 120er Zwilling.

Timm hatte bereits in der Dämmerung mit dem StarSense in seinem 20“ Dobson den Kugelsternhaufen M3 und danach den Cateye Nebel NGC 6543 eingestellt.

 Ich eröffnete meine Beobachtung mit dem Kugelsternhaufen M13 und Galaxie M51.

Bei Eintritt der Dunkelheit wurde es spürbar kühler, und ich war froh meine Fleecejacke dabei zu haben. Während der Nacht gingen die Temperaturen runter bis in den einstelligen Bereich.

Dagegen kauerten wir uns tagsüber meist im Schatten der Markisen und Sonnensegel bei gut 35° Hitze. Verbrauch Getränke: Das meiste Bier wieder mitgenommen, Sprudelwasser fast Ebbe.

Als die Dunkelheit fortgeschritten war habe ich meine Sehhilfen in Richtung Schütze geschwenkt und der Reihe nach am Lagunennebel M8, Trifidnebel M20, dem Kugelsternhaufen M22 , Schwanennebel M17 , Adlernebel M16 und Wildentenhaufen M11 mit Bino und Dobson aufzusuchen. Besonders im 120er Zwilling ist die Sommer Milchstraße ein unbeschreiblicher Genuss. M8 und M20 in einem Gesichtsfeld der Weitwinkelokulare, die kleine Mllchstraßenwolke formatfüllend im über 4° großen Gesichtsfeld und darüber wieder in einem Gesichtsfeld die Gasnebel M16 und M17 die deutlich ihre namensgebenden Konturen zeigten.  Anschließend ging die Tour zum Hantelnebel M27, der im 120er Zwilling dreidimensional im Raum schwebte und in zarte grünliche Färbung zu sehen war. Im 16er Dob wurde jedes der genannten Objekte im Detail beäugt.

Schnell ein Schwenk zur Whirlpoolgalaxie M51, bevor diese im NW abtaucht. Es waren schöne Spiralarme zu sehen! Parallel habe ich im 120er Zwilling M81/82 eingestellt die mitten im großen Gesichtsfeld des Binos schwebten.

Die HuTT Visual Observer Challenge begleite meine Beobachtung bereits am frühen Abend, es wurde  eine Skizze von M8 gefordert, eine Zählung der roten Riesensterne in M11, ein Vergleich vom M13 und M22 mit Skizzen, die Sichtung des Propellers einem visuellen Muster in M13 , den Begleitgalaxien NGC 6207 und IC 4617, den ich mit 15,2m nicht aufgefunden habe.

 Der Kugelsternhaufen NGC 6229 , mit den Sternmuster Leiter 6, der Herculesbox  und der  Doppelstern Ras Algheti waren leichte Ziele. Die Jets am Turtlenebel NGC 6210 im Hercules waren harte Nüsse im 16“ und am Donnerstagabend für mich wegen Seeing nicht mehr machbar.

Weitere Objekte der Challenge waren der planetarische Nebel im Adler NGC 6772,  ein langer Faden in Pickerings Triangulars Whisp,einemTeil des Cirrusnebels, die  Sichtung und Skizzierung vom Bubble Nebel und das Auffinden von SN Überrest Cassiopeja A.

Einige Objekte waren für mich zu schwierig in diesen Himmel- In Rainer Kespers 25“ Dobson wurde der Bubblenebel eingestellt, ich selbst konnte keinen sichelförmigen Rand der Nebelblase erkennen. Ein weiteres schwaches Objekt, der SN Überrest Cassiopeja A war mit 25“ in diesen schönen Sommernächten in Gehlweiler nicht zu finden.  

G0001, den nächsten Kugelhaufen in M31 habe ich nicht aufgesucht. Dafür konnte ich am Freitag Abend Christopher Hay und Tom Jacob mit Staubstreifen und beiden Begleitern im 1,4°grossen GF des 16“ Dobs begeistern. Das Sternmuster Leiter 9,“ der kleine Orion“ im Golf von Mexico war ein einfaches Objekt im 120er Bino. Mit Hilfe 2er  eingeschraubten  Filtern, Linkes Okular OIII Filter, rechts UHC Filter stach der Umriss des N-Amerika Nebels richtig hell ins Auge. Leider war die Position des Beobachters mit dem A….. auf dem Boden, das Objekt fast im Zenit und das Bino außer Balance, so dass  Beobachterwechsel ungünstig war. Der Cirrusnebel mit OIII im 16“ und am Stück im Bino mit vorher genannter Filterkombi etwas abseits des Zenits waren dann wieder Bestandteil geteilter Freuden.

Ein in der Challenge zu suchendes Objekt im Cirrusnebel war die Länge des dünnen Fadens in Pickerings Triangular Whisp, der laut Beschreibung anderer Beobachter mit 16“ Öffnung  bis zu einer Biegung fast zurück zum südlichen Sturmvogelausläufer verfolgt werden konnte.

Im Aquarius waren die Ausläufer (Ansen) des PN NGC 7009 eine Aufgabe, die wegen Seeing am Donnerstagabend leider nicht erfüllbar war. Dafür konnte ich im 120er Bino mit UHC-Filter auf einer Seite den Helixnebel NGC 7289 einfach auffinden.

Objektauswahl der Challenge war aus dem BAfK,der Beobachter Atlas für Kurzentschlossene, ein Gemeinschaftswerk von Rene Merting, Robert Zebahl und Christopher Hay, Freunden der Nacht.

Ein formatfüllender Spiralnebel M33 mit Konten in den Armen und gut sichtbarer OIII Region NGC 604 war ein schönes Objekt um 2 Uhr am Morgen.

Alternativ daneben im 120er Bino h&chi zusammen mit dem Sternenmuster „Muskelmännchen“ im 4° großen Feld des 120er Binos. Dazwischen die auffällige wunderbare gebogene Sternekette welche beide Objekte scheinbar im Raum zu verbinden scheint.

Im Schwanz des Sternbilds Walfisch, nahe dem Stern Mira suchte ich am Freitag und Samstag früh nach 2 Uhr den Kometen 220P „Mc Naught“.  Beim Schwenken mit dem 120er Bino habe ich Ihn fast übersehen. Er hob sich sehr schwach vom etwas durch Bad Kreuznach aufgehellten Osthimmel ab. Nach dem Aufsuchen im 16“Dob konnte eine diffuse längliche Koma und ein fast ½ ° langer Schweif mit einer hellen Mittellinie gesehen werden. Der Komet füllte etwa 1/3 des Gesichtsfelds aus. Die Helligkeit war 8m, Tage zuvor sollen es 6,5m gewesen sein.  Das ist nun der Komet Nr.60 in meiner persönlichen Kometenliste:-) 

Samstag früh wurde das Seeing besser, da haben wir um 3 Uhr am Morgen den Saturn mit Christophers Tak FS 102 beobachtet und das SVBony 3-8 Zoom Okular mit dem Takahashi. 3.8mm Ortho Okular verglichen. Dabei hat das SV Bony eindeutig den Kürzeren gezogen.

Im 16“ mit Binoansatz und Baader Genuine Ortho Okularen war Saturn nochmal eine Klasse besser zu beobachten. Die Cassini Teilung, Ringschatten auf der Kugel und eine Wolkenband auf der Nordhälfte des Planeten waren gut sichtbar.

Nach 3Uhr30 war für mich am Freitag und Samstag früh morgen Beobachtungsende. Einzelne Spechtler konnte ich auf dem Platz noch bis etwa 5 Uhr hören, dann trat die Ruhe und die aufkommende Dämmerung auf dem Bolzplatz nahe Gehlweiler ein.

Samstag früh, den 15.8.26 war im Westen Bewölkung zu sehen, die das Ende dieser Schönwetterphase ankündigte. In der Nacht auf Sonntag war Regen vorhergesagt. Es ist dort auch in der Nacht zum Sonntag ein Gewitter gekommen. Am Sonntag  konnte vom Waldbrand in der Nahen Eifel Geruch von verbrannter Kohle wahrgenommen werden, teilte Nils in seinem Bericht mit

Ich hatte mich entschieden einen Tag früher als geplant nach Hause zu kommen.

Nach einem kurzem Frühstück wurden die Teleskope und der Wohnwagen trocken eingeräumt und um 10 Uhr30 wieder zurück ins Schwabenländle gefahren.  Es war ein schönes Treffen , zu dem ich wieder kommen werde. Ein herzliches Dankeschön dem Veranstalter Nils.

Die Heimfahrt verlief problemlos bei heissen Temperaturen. Nach Winnenden hat das Thermometer 39° angezeigt. Der Verbrauch bei der Heimfahrt für 260km: 26 Liter Super und 2 Liter Sprudelwasser. 

Den erst in Gehlweiler bemerkten Glaspilz im linken Objektiv und auf dem Umlenkspiegel des 120er Binos konnte ich zu Hause problemlos mit Optical Wonder entfernen. Alles wieder fit!