Mit dem 30"Dobson auf dem Flugplatz in Münsingen/Eisberg

Der Sternenguck-Bericht mit Supernova in NGC 7331 vom 11.September 2026 

Ein Sternenguck auf dem Flugplatz Münsingen beim Jürgen auf dem Flugplatz war schon eine Weile angedacht. Nun sollte es zum Neumond im September endlich wieder wahr werden.

Zuvor stellte sich die Frage: Freitag auf Samstag oder ein Tag später?

Nachdem 3 Wetterdienste 5 verschiedene Vorhersagen lieferten, war das keine leichte Entscheidung. Wir haben uns dann doch sehr kurzfristig erst um 14 Uhr für den Freitag entschieden.

Um 17 Uhr bin nach Backnang gestartet um Michel abholen, den Anhänger mit dem 30" Dobson andocken und dann weiter nach Fellbach-Schmiden, um Jürgen abzuholen. Schlag 19Uhr 30 trafen wir am Flugplatz ein und bauten den 30“Dobson auf dem Rollfeld auf. 

Kurz darauf trafen Andreas Bleil aus Ludwigsburg und Mario Nava aus Erbstetten ein. Beide hatten Ihre Fotoausrüstung mit dabei, Andi 8“ einen Newton, Mario einen ED 120.

Nach der Dämmerung hat Michel den Kugelsternhaufen Messier 22 gesucht. Ist zuerst daneben an der Spitze des Teapots beim kleineren M28 gelandet, aber der war auch sehr schön anzuschauen.  Anschließend wurde der Dob etwas nach Osten verschoben und M22 stand schön körnig bis in die Mitte im Bildfeld bei 100x, der Aufsuchvergrößerung mit 0,8° Feld, mit 180x hat es das schönere Bild gegeben, und bei 300x flog der grosse gut aufgelöste Kugelsternhaufen förmlich auseinander.

Dann wieder das 31mm Naglerokular rein und auf die Suche nach dem Lagunennebel M8 in der Milchstraße. Die dunkle Lagune und  Nebel, der der den Sternhaufen einbettet waren mit OIII Filter mit tollem Kontrast zu sehen. Bei 180x trat der Stundenglasnebel, im westlichen Teil die hellste Nebelmasse deutlicher hervor. Den Filterschieber auf „ohne Filter“ wurde den Anwesenden die Kontrastleitung des OIII Linienfilters gezeigt.

Der Dob wurde dann etwas nördlich zu M20 geschoben. Die dunkle Dreiteilung desNebels um einen Stern sieht man auch ohne Filter recht gut, mit Filter war es eindrucksvoller.

Die Whirlpool Galaxie M51 wurde vor Erreichen eines tieferen Stands am Himmel schnell eingestellt. Mit 300X formatfüllend und sind leicht die Spiralarme und die Brücke zum Begleiter zu sehen. Aber nicht lang, direkt funzelt ein helles Licht ins Teleskop!

Was ist das denn!

Geblendet vom doppelten hellen Scheinwerferlicht des nebenan im Feld zackernden Bauern auf seinem Traktor wurde unsere Sternguckerei dann leider ziemlich beeinträchtigt. Vor einem Jahr, bei unserer letzten Spechtelnacht auf dem Flugplatz am 12.9.25 hat dieser Bauer den selben Acker mit Scheinwerferlicht bearbeitet! Hat sich dieser Seckel heute im Tag vertan? "Du bist doch erst Morgen dran!" Auf diese Weise haben wir mit unserem Humor diese blöde Situation etwas erträglicher gestaltet. „Schmeiß ein Stück Baustahl ins Gewann, dann schafft das  Bäuerlein nicht mehr lang“, waren unsere dunklen Gedanken.

Es ist 23 Uhr geworden, bis der sich Bauer und Traktor endlich auf ein Ackerstück hinter einem Waldstück verzogen haben und außer Sicht waren. Nun nur noch mahlende Geräusche bis 24 Uhr, dann hatte er den von uns ersehnten Feierabend gemacht. Ist jetzt Florian Silbereisens Schlagerparade zu Hause endlich aus? Sowasaberau!

Weiter ging es, mit dem Dobson in Richtung Norden, direkt durch die Milchstraßenwolke M24 gesurft „Überall sind Sterne!“, mal ein wenig rechts und links nacheinander zu M21 und M23. Mit vereinter Sehkraft haben wir zusammen (Michel am 8" Sucher, ich am Telrad ) den Omeganebel M17 eingestellt. Mit OIII Filter war das Omega groß und deutlich zu sehen. 3mal so gross wie der "Schwan"  fast formatfüllend -Klasse! Ich hab dazu unsere beiden Fotografen wieder dazu geholt um dieses schöne Objekt  gemeinsam anzuschauen.

Im Anschluß war der Adlernebel M16 an der Reihe. Die Dunkelteilung zwischen den Flügeln war deutlich, darunter und in einem Flügel und Dunkelschläuche „Säulen der Schöpfung“ zu erahnen. Man muss ein wenig mit dem Auge kleben bleiben um die im schwachen Kontrast dunklen Details zu erfassen.

Der Hantelnebel M27 wurde als Folgeobjekt zum Augen verblitzen gewünscht, den hat Michel ins Bildfeld gefahren. Ohne Filter in grünlicher Fabe die Hantelnebel bei 100x dann kam mit UHC und noch kontrastreicher eine Schale um die Hantel dazu. Mit 180 fach noch mehr ein Knaller.

Nächstes Objekt war NGC 6818, Little Gem Nebula, oder kleiner Edelstein. Ein schöner runder grünblauer Planetary im östlichen Schützen an der Grenze zum Steinbock. Etwas darunter befindet sich NGC 6822 Barnards Zwerggalaxie, die ich heute leider nur sehr schemenhaft als grosse ovale Aufhellung indirekt erahne.

Der nächste Wunsch, der Saturnnebel NGC 7009 im Aquarius wurde aufgesucht und schnell gefunden. Eine helles auffallend grünes Oval bei 100x, mit 180fach und auch 300x immer noch grüne Farbe, dann konnte man die Spitzen indirekt sehen, mit 480x (6,7mm Okular) immer noch grün und die Spitzen sind direkt sichtbar.  

Der Helixnebel NGC 7293 wurde aufgesucht. Es hat ein klein wenig rühren am Himmel erfordert, dann war er mit Hilfe des OIII Filters mit 100x, unsere Aufsuchvergrößerung, deutlich sichtbar. Fast 1/3 Gesichtsfeld groß als dicker ovaler Ring zu sehen.

Die Galaxie M74 im Walfisch, auch Cetus A genannt, war leicht aufzufinden. Die schwachen Spiralarme in Draufsicht konnten mit 100x gut erkannt werden. Leider brachte eine höhere Vergrösserung auf 180x heute nicht den erhofften Gewinn. Das Objekt wurde zu dunkel um mehr Detail in den Spiralarmen zu sehen. Nach Mitternacht wurde es ziemlich plötzlich feucht und ich hatte mit beschlagenen Okularen und Filtern zu kämpfenn.

Haupt und Sekundärspiegel des 30“ Dobs blieben frei. Der Cirrusnebel war nach der Okular Entfeuchtung wieder ein Objekt um die Augen zu verwöhnen. Wir haben entlang des Sturmvogels, Hirschgeweih (auch Hexenhand genannt) spazieren geschaut und mildem OIII Filter helle gefaserte Nebelstrukturen gesehen. Zum Schluss wurde der Dob in das etwas schwächere mittlere Teil,  Pickering´s Trianular Whisp geschoben. Der Cirrusnebel ist das Paradeobjekt für den 30“Dobson.

Aber die 2 Staubstreifen unterhalb des Kerns der Andromedagalaxie M31 haben unsere Mitspechtler auch abgeholt. Im Vergleich zu kleineren Optiken ist man mit den 30“ Dob in diesem Objekt auch mittendrin statt nur dabei 😊.

Dann wurde mit dem Dob etwas südlicher zu M33 gefahren, der bei 100x schön seine Spiralarme zeigt und den hellen Nebelklops NGC604 am Ende eines Spiralarms. Mehr Vergrößerung, dieDetails werden besser, aber die Galaxie passt nicht mehr ganz ins Gesichtsfeld. Für mich geht dann der schöne Gesamtanblick verloren.

Weiter zum unteren westlichen Ende des Pegasus Quadrats zu NGC 7479, der Fleischerhaken Galaxie. Der Balken war gut zu sehen, um die Haken zu erkennen wurde das 10mm Ethos = 300x eingesteckt. 2,5mm ist bei kompakten Galaxien oft eine gute Austrittspupille.

Der Höhepunkt dieser Beobachtungsnacht war für mich die Supernova SN2026aaiv,  in der 45 Mio. Lichtjahren entfernten Galaxie NGC 7331. Mit 100x und besser noch mit  180x war die Supernova das hellste Objekt nahe des Kerns.

Das nebenan befindliche Stephans Quintett war nur sehr schwach erkannbar, die Okulare waren wieder beschlagen. Auch Sternkarte und Okularkoffer auf dem Kartentisch waren inzwischen pitschnass. 

NGC 891 am östlichen Ende der Andromedakette war nach dem vorsichtigen Abwischen des Okulars schnell gefunden. Mit 180x konnte nur indirekt der dunkle Staubstreifen gesehen werden. Bei 300x war das Bild mir zu dunkel.

Die kleine Galaxie NGC 772 im Widder habe ich eingestellt, leider auch überraschend schwach zu sehen. Der Himmel war durch die Feuchtigkeit besonders im Nordosten von Münsingen aufgehellt. Diese Galaxie hatte ich bei besseren Bedingungen schon mit 8“ Öffnung gefunden.

Ein erfolglose Suche nach NGC 246 mit nun auch noch beschlagenen Filtern im Schieber und wieder beschlagenem Okular beendeten wir unseren Spechtelabend kurz nach 2 Uhr. 

Den Saturn haben wir uns als Zugabe ganz zum Ende auf mehrfachen Wunsch doch noch gegeben. Bei 300 fach stand er in guter Höhe schön scharf und ruhig im Gesichtsfeld. Leider auch mit etwas Aufhellung um die Planetenkugel  und Reflexen im Bildfeld durch wieder beschlagenes Okular.  

Bis Zubehör verpackt, und der Dob in den Anhänger geladen war, hat es in der Nacht eine Weile gedauert. Wir haben vorher unsere Fotografen vor unserer Funzelei beim Einräumen gewarnt und sie haben Ihre Optiken abgedeckt.

Um 2 Uhr 45 ging es mit dem Anhänger los in Richtung Heimat. Jürgen konnte nach reibungsloser Fahrt um 4Uhr in Schmiden aussteigen. Bis der Anhänger in Backnang wieder in der Garage stand, Michel in BK ausgestiegen war, und ich wieder zu Hause in Korb angekommen  bin, ist es 5 Uhr.

Exakt 12 Stunden zuvor bin ich losgefahren. Sapperlot, wie die Zeit dahinrast!