Beobachtungsbericht ITT 2003 von Heribert Wiese

Der 30"F4 Dobson  aus Backnang beim ITT 2003  dahinter der Zeiss  APQ 150/1200 von Berthold Kohlmayer

Links Ingo, rechts Heribert Wiese  , beide aus Köln hinter einem NGT 18 von JMI 

Leider habe ich beim letzten ITT 2022 vom Ingo erfahren, das Heribert Wiese nicht mehr am Leben ist.  Ruhe in Frieden, mein Freund.

Auf dem rechten Bild rechts ist Heribert Wiese zu sehen. Es ist das einzige Bild das ich von Ihm habe. Die Quelle ist mir leider nicht mehr bekannt. Der Urheber möge mir daher verzeihen,                                            aber ich weiß nicht wen ich fragen kann.

Ich möchte Heribert die Ehre geben und Ihn mit seinem Bericht zu Wort kommen lassen:

" Hi zusammen, hier mein Bericht:"
Eindrücke und Beobachtungsbericht vom 19. ITT in Kärnten 2003
Samstag, 20.09.2003 Ankunftstag:
Als der Wagen gegen 21.00 h auf dem Parkplatz zum Stehen kam und wir, das waren Ingo K. und ich, ausstiegen, war auch schon die erste Überraschung da:
Die außergewöhnliche Wärme für 21.00 h in 1800 m Höhe Ende September! Auch auf der Emberger Alm hatte das Wetter Kapriolen geschlagen.

Also, anstatt zuerst das Gepäck ins Haus zu tragen, holten wir die Ferngläser heraus und stierten in den klaren Himmel mit T-Shirts als Oberbekleidung!

Aber am eindrucksvollsten waren sicher die beiden Nächte am Donnerstag und Freitag, nachdem es an zwei Tagen vorher geregnet hatte.

Hier muß ich zuerst eine kleine Vorbemerkung machen:
In „normalen“ klaren Nächten ist ab etwa 04.30 h im September auf der Emberger Alm am östlichen Horizont der Kegel des Zodiakallichts zu sehen.

Für uns, die wir ja schon zum x-ten Male hier waren, ist das nichts mehr Besonderes.Jeder weiß ja aus Astrobüchern, daß dieser Kegel sich fortsetzt in so genannten Lichtbrücken, die dann in den Gegenschein münden.
Das ist der Punkt am Himmel, der der Sonne gegenübersteht.
In allen Astrobüchern, die darüber berichten, ist nun auch zu lesen, daß dieser Gegenschein und noch mehr die Lichtbrücken wohl nur theoretisch zu sehen sind,
Stichworte: Wüstenhimmel, und dann nur ausnahmsweise, vielleicht außerhalb der Atmosphäre, nur Messinstrumente...

Es war am besagten Donnerstag gegen 21.30 h, brrrrrrr, es war nun kalt und superklar, als mich ein Sternfreund auf etwas aufmerksam machte:
„Schau mal da unterhalb des Pegasusquadrates ! (Sternbilder Wassermann, Fische) Siehst du diese Aufhellung ?!“Tatsächlich, da war eindeutig eine, na ja, etwas elliptische Aufhellung zu sehen !
Nicht nur das, rechts und links des Gegenscheins waren feine (schwache) Ausläufer zu erkennen. 

Es standen da nun schon mehr als zehn Sternengucker beisammen, die ungläubig dieses Naturphänomen bestaunten!---„Das hab‘ ich ja noch nicht gesehen!“---„Das gibt’s ja gar nicht!“---„Das kann doch gar nicht sein!“--- und so fort war allenthalben zu hören ! Ich glaube, ich habe mich ähnlich geäußert.  Daß Uranus locker und leicht mit bloßem Auge zu sehen war, muss ich wohl nicht besonders betonen.
Da ich dieses Jahr außer einem Feldstecher kein Instrumentarium dabei hatte, konnte ich überall spazieren gehen und „spechteln“, wie die Bayern und Österreicher zu sagen pflegen.

Besonders angetan war ich von einem Beobachtungsplatz, auf dem folgende Geräte standen:
Ein 150 mm APQ Apochromat von Zeiss,
ein 130 mm AS in voller Länge von Zeiss,
und zur Krönung ein 76 cm Newton f/4, wohlgemerkt, 30 Zoll !

Hier folgt nun ein Beobachtungsbericht vom Newton:
Donnerstagnachmittag wurde erst einmal der Newton einjustiert. Nach langem hin und her war er dann nach zwei Stunden „betriebsbereit“.

Dann, ab ca. 20.30 h: Beobachtung von Deep-Sky-Objekten (Fitness-Training mit der Leiter!):

M51- Spiralgalaxie in den Jagdhunden, war das erste Objekt.
Trotz der niedrigen Stellung im Nordwesten sind bei 87-facher Vergrößerung beide Spiralarme hell und deutlich sichtbar. Die schwache Brücke zum Begleiter ist deutlich zu erkennen.
Bei 138-facher Vergrößerung werden einzelne Verdichtungen in den Spiralen sichtbar.
Bei 234-facher Vergrößerung sind mehrere Knoten in den Spiralarmen zu erkennen.
Beim Begleiter heller Kern mit andeutungsweise Struktur, die Ausläufer des Begleiters sind deutlich zu sehen. M51 füllt das ganze Gesichtsfeld aus.
Bei diesem Anblick kann man alle Fotos von diesem Spiralnebel getrost vergessen, weil sie überbelichtet sind und solche Details einfach nicht zeigen!!!

M92 – Herkules liegt bereits im tiefen Westen.
Aufgelöst bei 452-facher Vergrößerung bis in den tiefen Kern, im Kernbereich sind dunkle Strukturen zu sehen. M92 ist Ausgangspunkt zum Herkules-Galaxienhaufen.
6 Galaxien 14. Größe sind deutlich und hell im Gesichtsfeld bei 234-facher Vergrößerung zu sehen.
Beim Verfahren des Teleskops sind noch weitere Galaxien deutlich zu sehen.

M13 - im Herkules:
Bei 234-facher Vergrößerung aufgelöst bis in den Kern,3 Dunkelschläuche erkennbar, Anordnung wie ein Mercedesstern.
Bei 452-fach füllt der Kern von M13 das Gesichtsfeld aus.
Für dieses Objekt ist bei der Verwendung von 30 Zoll Öffnung eine Sonnenbrille zu empfehlen. Der Anblick in das Zentrum ist unbeschreiblich.
Die Galaxie neben M13 ist als deutlich sichtbare Ellipse, aber strukturlos zu sehen.

M8 - Lagunennebel im Schützen
Mehr als Gesichtsfeld-füllend mit deutlich roten Nebeln präsentiert sich
der Lagunennebel im 30 - Zöller. Der Einsatz eines 22 mm Okulars ist der beste Kompromiss zwischen Gesichtsfeld und optimalem Kontrast, deshalb muss das Teleskop zum Erfassen des gesamten Objekts hin - und hergeschwenkt werden.
Beim Anblick von M8 könnte man sagen, es hätte einer ein Dia vor’s Okular gehalten.

M20 - Trifidnebel im Schützen.
Deutlich sind ohne Filter die drei dunklen Schläuche erkennbar, die den rötlichen Nebel teilen.
Den bei Fotos erkennbaren blauen Nebel um einen Stern kann nicht farbig gesehen werden.  Bei 234-fach ergibt sich der schönste Anblick.

M17 - Omega / Schwan-Nebel
Im 30 Zöller meiner Meinung nach das absolute Highlight in dieser Region.
Bei 138-fach steht gleißend hell ein schwanenförmiger Nebel im Gesichtsfeld, welcher sich in hartem Kontrast vom schwarzen Himmel der Umgebung abhebt.  Das Format ist Gesichtsfeld- füllend!
So habe ich dieses Objekt noch nie gesehen! Auch die Fotos zeigen etwas ganz Anderes!

M22 - Kugelsternhaufen im Schützen
Bei 138-fach mit seinen Außenregionen Gesichtsfeld- füllend.
Bei 234-fach aufgelöst bis in das Zentrum.
Bei 346-fach fast ein offener Sternhaufen vom Zentrum bis an den Gesichtsfeldrand.
Nach diesem Objekt im 30-Zöller ist meine Dunkeladaption im Eimer.

Cirrusnebel - im Sternbild Schwan.
Im hellen Teil des Nebels wird mit O-3 Filter das so genannte Hirschgeweih anvisiert. Den Anblick kann man nicht beschreiben, das muß man einfach gesehen haben! Das Röhren eines österreichischen Spechtlers auf der Leiter war kilometerweit zu hören.
Auch seine Kommentare : „do leckst mi am .......“ schallten laut über das Gelände.
Auch die Laute Anderer am Okular erinnerten an die herbstliche Brunftzeit.

M31- Andromedanebel
Bei 234-facher Vergrößerung waren die Zacken im inneren der drei sichtbaren Staubstreifen deutlich zu sehen.
Beim Schwenken entlang der Staubstreifen fand ich an einem Ende der Spindel eine Stelle mit Sternregionen (NGC 206) in dessen Nähe sich auch Kugelsternhaufen befinden.

Countdown-Nebel - NGC 6543 - im Drachen, auch Cat´s Eye genannt.
Schon bei 87-fach auffallend hell und grüne Farbe.
Der Zentralstern blinkt in weißer Farbe aus dem grünen Nebel.
Bei 234-fach sieht der Nebel aus wie eine grüne Ampel,
mit einem Einschussloch genau in der Mitte des grünen Glases, wo der weiße Zentralstern leuchtet.
So eine satte, grüne Farbe habe ich noch nicht im Teleskop gesehen!
Bei 452-facher Vergrößerung ist der Rand des Nebels zackig, in der Nebelmasse sind dunkle
schlangenförmige Konturen zu sehen. Das Objekt steht immer noch leuchtend hell im Gesichtsfeld.
Nur wegen häufigem Beobachterwechsel (Leiter rauf -“Booah“!- Leiter runter), wird nicht noch höher vergrößert.

M57 - Ringnebel in der Leier, die Jagd nach dem Zentralstern.
Bei 238-facher Vergrößerung ist der Ring mit heller Nebelmasse gefüllt, kein Zentralstern .

Bei 500-fach ist der Zentralstern zeitweise indirekt sichtbar.
Die Nebelmasse im inneren des Rings verhindert eine bessere Sichtbarkeit.
Die Helligkeit des Zentralsterns dürfte für diese Öffnung kein Problem sein,                                                der geringe Kontrast zwischen Nebelmasse und Stern macht ihn zum schwierigen Objekt.

Crescent Nebel NGC 6888 im Schwan.
Aufgesucht bei 138-facher Vergrößerung ist das Objekt hell und deutlich aufzufinden. Die helle Sichel umfasst etwa 180°, ein etwas schwächerer Ausläufer am nördlichen Ende umfasst nochmals 60° , das ganze Objekt hat die Ausmaße von ¼ des Gesichtsfeldes.
Der hellere Teil des Nebels hat einen leichten Rotstich. Beobachtung ohne Filter!

M33 - Galaxie im Dreieck.
Bei 138-facher Vergrößerung steht die Galaxie mit zwei hell sichtbaren Spiralarmen im Gesichtsfeld.
NGC 604 - sticht als helles Ende des südlichen Spiralarms von M 33 deutlich hervor. In den Spiralarmen sind viele Knoten zu sehen.
Stellt man den Galaxienkern an den südlichen Gesichtsfeldrand, kann man einen schwächeren Spiralarm im Norden abfahren, in dem 3 Verdichtungen erkennbar sind.

NGC 253 - Galaxie im Bildhauer
Selbst bei schwacher Vergrößerung (138-fach) passt die Galaxie nicht mehr ganz ins Gesichtsfeld. Leider wegen tiefer Deklination in unseren Breiten selten zu sehen.
Am klaren Kärntner Himmel bereits ein Feldstecherobjekt!
Große flockenförmige Dunkelgebiete wechseln sich mit helleren Verdichtungen von der Kante bis fast in den Kern ab.
Man sieht eine gescheckte Struktur und so viele Details, daß eine Beschreibung einzelner Details sehr umfangreich würde.

Saturnnebel NGC 7099 im Wassermann
Schon beim ersten Blick bei 138-facher Vergrößerung fällt das Objekt durch seine grünliche Farbe auf. Ein ovaler heller grüner Nebel mit gut sichtbarem Zentralstern. Beim Steigern der Vergrößerung ab 452-fach sind die henkelförmigen Ausläufer sagenhaft zu sehen.

M1 - Crabnebel im Stier Bei 234-fach deutlich S-förmige Struktur zu sehen.
Am Rand ist der Nebel sehr ausgefranst. Die Filamente im Inneren sind leider nicht sichtbar, wahrscheinlich nur fotografisch zu erfassen.

M97 - Eulennebel im Großen Bären
Bei 234-facher Vergrößerung sehr heller Nebel , umfasst ca. 1/3 des Gesichtsfelds im Durchmesser.
Schön zu sehen sind 2 diffuse kreisrunde dunklere Strukturen im Nebel, die Augen der Eule.

B33 - der Pferdekopfnebel im Orion Von Nord nach Süden sieht man mit Filter eine rötliche, nach  Osten scharf begrenzte Nebelwand,
in deren Mitte nach Westen der gut erkennbare Pferdekopf herausragt.
Die Schnauze des Pferdekopfs zeigt gegen einen am Gesichtsfeldrand stehenden Stern.
Der Pferdekopf ist gegen den roten Nebel pechschwarz in gutem Kontrast sichtbar.

NCG 2024 - Flammennebel im Orion Ohne Filter bei 138-fach gut zu sehen, man muss Zeta Orionis etwas außerhalb des Gesichtsfeldes halten, sonst gibt es störende Reflexe.
Gut zu sehen ist ein roter Nebel, durch einen Haupt-Dunkelschlauch geteilt, von dem 2Nebenarme abzweigen. Ausmaß des Objekts ist etwa ¾ des Gesichtsfeldes.

M42 - Orionnebel
Der Orionnebel passt bei 30 Zoll Öffnung nicht mehr ins Gesichtsfeld, selbst bei Verwendung eines 35mm Okulars muss der Dobson
geschwenkt werden um die südlichen Ausläufer ringförmig abzufahren.
Im Zentrum sind ab 234-fach die Komponenten E und F des Trapezes zu sehen, allerdings nur zeitweise. Wegen des Seeings werden beide schwache Komponenten immer wieder Blickweise von den Hellen „überwabert“. Im Zentrum höhlenartige Strukturen wie Waben im grünlichen Nebel.
Die Schwingen des Nebels sind im Teleskop rot-bräunlich zu sehen. Man könnte Stunden mit diesem Objekt verbringen.

NGC 2392 - Eskimonebel in den Zwillingen.
Beim Aufsuchen mit 138-facher Vergrößerung ist eine dunkle Trennlinie zwischen „Gesicht“ und „Kapuze“ erkennbar. Der Nebel ist hell und mit grün-bläulicher Farbe zu sehen
Bei 234-fach ist der Zentralstern zu sehen, die Trennung Gesicht / Kapuze ist deutlich.  Beim Einsatz eines Zoomokulars ist bei 1000-fach deutlich eine Struktur im Gesicht zu sehen.

An dieser Stelle sei Herrn Gerd Huissel gedankt. Er ist einer der Besitzer des 30-Zöllers. Er erinnerte mich per E-Mail nochmals an manche Objekte.

Er erläuterte mir auch die eingesetzten Vergrößerungen, und die Verwendung von Nebel-Filtern.

Was diese Leitersteigerei und der Anblick des Firmamentes mit bloßem Auge in einer menschlichen Seele auslöst, kann ich leider nicht beschreiben.
Mir fehlen dazu die Worte. Ein Lyriker müßte mal dieses Fitneß-Training absolvieren!

Heribert